Schlagwort-Archive: Schlachtfeldarchäologie

Krieg gehört ins Museum (2/2): Die Schlacht bei Lützen

Auf die Frage, in welcher Zeit sie am liebsten leben würden, nennen die meisten Deutschen angeblich die 1980er Jahre. Gut, in der betreffenden Umfrage war die Auswahl auf das 20. Jahrhundert beschränkt; wäre dies freier gestaltet gewesen, hätten sich vielleicht auch manche für Sturm & Drang, altes Rom oder die Zukunft interessiert. Wer allerdings halbwegs gleichzeitig laufen und sprechen kann, würde sich (zumindest in Mitteleuropa) wahrscheinlich niemals in die Zeit versetzen lassen wollen, von der wir heute sprechen, nämlich die Jahre von 1618 bis 1648. Was war passiert? Am 23. Mai 1618 schubste man Jaroslav Borsita von Martinic, Wilhelm Slavata und Philipp Fabricius aus einem Fenster. Das war in Prag, wo so etwas weder zum ersten noch zum letzten Mal passieren sollte. Die drei Namen werden kaum noch jemandem etwas sagen, aber im Anschluss an dieses Ereignis, kann man sagen, the shit hit the fan – drei Jahrzehnte Elend und Verwüstung sollten anbrechen. Eine Massenschlacht, die ganze Städte entvölkerte und einen Großteil der Generation als Söldner durch die Lande irren ließ – der Dreißigjährige Krieg.

Die unsterbliche Therese Giehse 1966 als Mutter Courage in Bertolt Brechts gleichnamigem Stück.

Die unsterbliche Therese Giehse, 1966 porträtiert als Mutter Courage in Bertolt Brechts gleichnamigem Stück. Von Günter Rittner, CC BY 3.0, über Wikimedia Commons

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Krieg gehört ins Museum! (1/2: Die Anfänge)

Wir waren mal wieder im Museum! Und zwar im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, in einer Sonderausstellung zum Thema „KRIEG – Eine archäologische Spurensuche“. Erst war ich nicht ganz sicher, ob ich da eigentlich hingehen will. Wer derzeit das Radio einschaltet, kann ja schnell zu dem Schluss kommen, dass es überhaupt nur noch Krieg und Terror auf der Welt gibt. Wir haben uns dann trotzdem aufgerafft und sind im Nachhinein froh darüber.

Bilder gibt's in Halle nur gegen Bares.

Bilder gibt’s in Halle nur gegen Bares.

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Schlachten – weder schön noch selten.

Na, wie viele berühmte Schlachten könnt ihr aus dem Hut aufzählen? Selbst mir, meines Zeichens keine gute Schülerin in Geschichte, fallen nach etwas Bedenkzeit doch eine ganze Reihe ein: Die Schlacht von Hastings, bei der ein normannischer Eroberer namens William die Angelsachsen schlug. Die Schlacht von Verdun, die exemplarisch für die Sinnlosigkeit und das Grauen des Ersten Weltkriegs steht. Die sogenannte Varus-Schlacht, die nach aktuellem Stand der Forschung wohl doch nicht so bedeutend war, wie Hermannsdenkmäler und Legenden uns weismachen wollen. Die Schlacht von Issos, von der die meisten einige Jahrzehnte nach dem Schulabschluss wohl nur noch wissen, dass sie im Jahr 333 v. Chr. stattgefunden hat und irgendetwas mit Alexander dem Großen zu tun hatte.

Nicht ganz fotorealistische Darstellung der Schlacht von Hastings auf dem berühmten Teppich von Bayeux.

Nicht ganz fotorealistische Darstellung der Schlacht von Hastings auf dem berühmten Teppich von Bayeux.

Das soll erstmal reichen, eine Liste berühmter Schlachten existiert natürlich längst in der Wikipedia und muss hier nicht wiederholt werden – jedenfalls waren große Schlachten richtungsweisende Ereignisse, sie haben den Ausgang von Kriegen entschieden oder zumindest beeinflusst und dienen im geschichtlichen Allgemeinwissen gerne als eine Art Fixpunkte, um die herum sich die ganze Epoche im Kopf ordnen lässt. Höchstwahrscheinlich sind sie also auch schon immer beliebtes Ziel archäologischer Forschung gewesen, oder? Denkste!

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