Schlagwort-Archive: Mittelalter

Fels in der Brandung

„My passion for Igerna is such that I can neither have ease of mind, nor health of body, till I obtain her: and if you cannot assist me with your advice how to accomplish my desire, the inward torments I endure will kill me.“—“Who can advise you in this matter,“ said Ulfin, „when no force will enable us to have access to her in the town of Tintagel? For it is situated upon the sea, and on every side surrounded by it; and there is but one entrance into it, and that through a straight rock, which three men shall be able to defend against the whole power of the kingdom.*

So dramatisch ging es in Großbritannien in den sogenannten Dark Ages zu – jedenfalls, wenn man denen glaubt, die diese Geschichten Jahrhunderte später aufgeschrieben haben. Das meiste, was Geoffrey of Monmouth da so erzählt über Uther, Artus & Co., beruht, vorsichtig ausgedrückt, auf eher dünner Beweislage. Seine Beschreibung der Burg Tintagel dagegen kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Tintagel gibt es. Hoch über der Küste von Cornwall gelegen, von Steilhängen umgeben, ist es ein perfekter Ort, um eine Festung zu errichten. Dies wurde offensichtlich auch mehrmals getan; die archäologischen Funde reißen und reißen nicht ab. Wir gucken uns das mal an – heute abend, 20:00, bei Skulptur kaputt auf Radio Blau.

 

Soll in Tintagel geboren sein: König Artus. Hier beim Grillen mit einem Riesen. Illustration aus dem Roman de Brut von Wace, freundlicherweise eingescannt von der British Library, in deren Katalog man schnell Stunden verliert. CC0 1.0

*Geoffrey of Monmouth: Historia Regium Britanniae, Buch 8 (ca. 1136), aus dem Lateinischen ins Englische übertragen von Aaron Thompson und J.A. Giles.

Von Walrossen und Bischöfen

Walrosse sind toll. Sie können drei Meter lang, eine Tonne schwer und 40 Jahre alt werden. Außerdem lassen sie sich natürlich ihre berühmten Stoßzähne wachsen, einen halben Meter und länger. Genau das aber ist ihnen jahrhundertelang zum Verhängnis geworden: Als „Elfenbein des Nordens“ waren diese Zähne ein begehrtes Material für Kunstgegenstände, Waffen, und manchmal eben auch – Schachfiguren. Zum Beispiel die sogenannten Lewis Chessmen, über die wir in unserer letzten Sendung bei Radio Blau sprachen.

Dieses Walross ist nicht nur gut gekleidet und Hauptfigur eines berühmten Gedichtes, sondern hat zum Glück auch seine Stoßzähne noch.

Dieses Walross ist nicht nur gut gekleidet, sondern hat zum Glück auch seine Stoßzähne noch (seine größte Sorge ist der viele Sand. Aber das ist eine andere Geschichte).

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Verlorene Schätze (1) – Johann Ohnekrone

Heieiei, wie die Weihnachtszeit uns immer in Beschlag nimmt! Und urplötzlich war der ganze Glühweinspuk schon wieder vorbei, 2016 kam mit Siebenmeilenstiefeln angeböllert und zack war unser erster Sendetermin des Jahres da; diesmal, am 13.01.16 um 20:00, beschäftigten wir uns bei Radio Blau mit dem Thema verlorene Schätze. Wir begannen also mal ein bisschen unseriös und stocherten im Nebel der sagenumwobenen verlorenen Dinge, die eben gerade noch nicht ausgegraben sind. Wenn es sie denn überhaupt jemals gegeben hat.

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Guédelon – Party like it’s 1228 (1)

Guédelon war unser zweites Thema bei Skulptur kaputt und wurde am 22.07.2015 um 18:00 ausgestrahlt.

Wenn ich mich dafür interessiere, wie man heutzutage beispielsweise einen Flughafen baut, kann ich die Baustelle besichtigen. Ich kann mit Menschen reden, die daran beteiligt sind, Pressestellen kontaktieren und mich vielleicht sogar zu eigens angebotenen Führungen anmelden. Über Einzelheiten und Probleme, die zum Beispiel der Brandschutz aufwirft, werde ich manchmal sogar ganz unfreiwillig informiert, indem ich einfach nur eine Zeitung aufschlage.

Wenn ich aber gerne wissen möchte, wie vor 800 Jahren eine Burg gebaut wurde, ist das schon wesentlich schwieriger – obwohl die Zahl solcher Anlagen allein in West- und Mitteleuropa fünfstellig ist (zum großen Teil existieren freilich, wenn überhaupt, nur noch Ruinen). Wir sind darauf angewiesen, das, was noch steht zu untersuchen und zeitgenössische Quellen zu befragen. Viele Fragen lassen sich so beantworten – wer veranlasste den Bau, woher kamen die Materialien, wieviele Menschen beherbergten die Gebäude, und so weiter.

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Der bucklige König vom Parkplatz (3): Isotope, Wein und eine verspätete Feier

Richard III. war unser allererstes Thema bei Skulptur kaputt und wurde in einer zweistündigen Sendung am Dienstag, den 02.06.2015 ausgestrahlt.

Man sollte nicht meinen, wieviel unsere Knochen auch noch Jahrhunderte später über unser Leben verraten. Zwar helfen sie uns weder dabei, herauszufinden, ob Richard III. nun seine Neffen umgebracht hat oder nicht, noch ob er wirklich die Worte „Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd“ geäußert hat. Aber wir wissen jetzt, dass Könige offenbar mehr Fleisch zu sich nehmen als Dukes of Gloucester, und dass der junge Monarch entweder kräftig gefeiert hat oder allerhand Sorgen in Alkohol ertränken musste.

Wie um alles in der Welt finden wir so etwas heraus, wenn wir nichts haben als ein paar Knochen und Zähne?

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Der bucklige König vom Parkplatz (2): Die Ausgrabung

Richard III. war unser allererstes Thema bei Skulptur kaputt und wurde in einer zweistündigen Sendung am Dienstag, den 02.06.2015 ausgestrahlt.

Menschen haben die außergewöhnlichsten Hobbys. Die einen sammeln Kronkorken, die anderen züchten Vogelspinnen. Wieder andere spielen Radball und manche widmen ihre besten Jahre der Aufgabe, den Ruf eines mittelalterlichen Königs gerade zu rücken. Den Letztgenannten, der Richard III. Society, ist es zu einem guten Teil zu verdanken, dass 2012 ein ausgezeichnetes Jahr für die britische Archäologie wurde.

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Der bucklige König vom Parkplatz (1): Präludium

Richard III. war unser allererstes Thema bei Skulptur kaputt und wurde in einer zweistündigen Sendung am Dienstag, den 02.06.2015 ausgestrahlt.

Er war praktisch von frühester Kindheit an im Krieg, galt lange als verschollen und wurde über 500 Jahre nach seinem Tod ausgerechnet unter einer freien Parklücke in Leicester wiedergefunden – Englands vielleicht berühmtester Finsterling, König Richard III. Shakespeare hat aus ihm eine seiner unsympathischsten Dramengestalten gemacht; in zahlreichen Romanen und Verfilmungen wurde er mal als rücksichtsloser Mörder, mal als missverstandener Held und Opfer von posthumer Tudor-Propaganda dargestellt. Wie auch immer man dazu Position beziehen mag; ein friedliches Leben hatte er sicher nicht.

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