Schlagwort-Archive: London

Walks on the Wild Side: Ein Industrieller erforscht die Armut

Schreibt ein Sozialist in einer Zeitung: 25 % unserer Stadtbevölkerung leben in Armut. Antwortet ein Konservativer: Glaub ich nicht. Ich untersuche das selbst. Der Sozialist: Bitte, mach doch. Find ich prima. Einige Jahre später: Der Konservative ist mit seinen Forschungen fertig und korrigiert die Zahl auf 30 %!  Dafür würdigt ihn ersterer in seiner später erscheinenden Autobiographie für seine Verdienste. Unvorstellbar? Genauso ist es geschehen gegen Ende der Zeit von Königin Victoria in London, und damit sollte einiges losgetreten werden; zum einen politisch, aber nicht zuletzt erhielt auch die Methodik der empirischen Sozialforschung einige wertvolle Inputs.

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Morgen, 11.1. bei Radio Blau: Limehouse Blues

Solche Tätigkeiten gabs auch.

Solche Tätigkeiten gabs auch. Aus „London Labour and the London Poor“ von Henry Hayfew, London 1861. Kann man dank der University of California hier durchlesen.

Was Queen Victoria wohl von Steampunk gehalten hätte? Man weiß es nicht. Sonst weiß man über sie natürllch sehr viel, und das unterscheidet sie von der überwiegenden Mehrheit ihrer Untertanen. Die Durchschnittsengländerin des 19. Jahrhunderts war keine Adlige, ihr Bruder kein berühmter Meisterdetektiv. Es wurden allerdings auch die wenigsten von irren Serienmördern umgebracht. Die Hauptprobleme der zahlreichen „kleinen Leute“, die ihr Leben in den Jugendjahren der Industrialisierung fristeten, waren viel profaner. Was esse ich heute, und wo kriege ich es her? Mein Job ist weg und die Vermieterin steht vor der Tür. Nebenan haben sie schon wieder Typhus, die Themse stinkt zum Himmel und jetzt ist auch noch die Teekanne kaputt.

Wir wühlen uns in unserer nächsten Sendung mal durch zeitgenössische Zeitungsartikel und archäologische Befunde, die an einem der trostlosesten vorstellbaren Orte sichergestellt wurden: im Abort dreier Mietshäuser in Limehouse, einer Londoner Gegend, die man heute wohl als „sozialen Brennpunkt“ bezeichnen würde. Schaltet ein! Mittwoch, 20 Uhr auf Radio Blau!

Das Crossrail-Projekt (1): Ein Tunnel durch 2000 Jahre London

Eine Stunde Radiosendung zu bestreiten kann manchmal viel schwieriger sein, als es drei Stunden wären. So ähnlich ging es uns bei unserer letzten Sendung am 19.10.: So viel Material, was lässt man da weg?

„So viel Material“, das sind im Wortsinn sagenhafte 5 Millionen Tonnen Abraum. Diese fallen derzeit in London an, wo ein sehr ehrgeiziges Bauprojekt durchgeführt wird*, nämlich eine Bahnverbindung von Reading im Westen bis Shenfield im Osten: Das Crossrail-Projekt, mittlerweile auch Elizabeth Line genannt. Das Besondere daran: Unter der Stadt London muss dafür ein neuer Tunnel gebohrt werden, und zwar bis zu 40 Meter tief. Zusätzlich entstehen fünf neue unterirdische Bahnhöfe.

Ein historisches Gebäude musste der neuen Bahnlinie weichen: Hier stand das Astoria Theater.

Ein historisches Gebäude musste der neuen Bahnlinie weichen: Hier stand das London Astoria Theatre. Geklaut von carlbob auf Flickr. CC BY-SA 2.0

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Pestilenz und Römerstraßen: Der Londoner Untergrund wird aufgewühlt

Morgen, 20:00 auf Radio Blau: Wir begeben uns durch einen Tunnel, der gerade in London neu entsteht. Wer 40 Meter tief gräbt, kommt unterwegs an 2000 Jahren spannender Geschichte vorbei – und an jeder Menge Schädel, wie sich herausgestellt hat. Wie die medizinische Forschung von Parkplatzmangel profitiert und warum ein unterirdischer Bach dazu beiträgt, eine keltische Königin von jeglicher Schuld freizusprechen; das alles hört ihr, wenn ihr mögt, morgen Abend bei Skulptur kaputt.

In 5 Millionen Tonnen Abraum findet sich so mancher historische Schatz. Crossrail construction, Tenterden Street von Stephen Richards, CC BY-SA 2.0

In 5 Millionen Tonnen Abraum findet sich so mancher historische Schatz. Crossrail construction, Tenterden Street von Stephen Richards, CC BY-SA 2.0