Schlagwort-Archive: England

Fels in der Brandung

„My passion for Igerna is such that I can neither have ease of mind, nor health of body, till I obtain her: and if you cannot assist me with your advice how to accomplish my desire, the inward torments I endure will kill me.“—“Who can advise you in this matter,“ said Ulfin, „when no force will enable us to have access to her in the town of Tintagel? For it is situated upon the sea, and on every side surrounded by it; and there is but one entrance into it, and that through a straight rock, which three men shall be able to defend against the whole power of the kingdom.*

So dramatisch ging es in Großbritannien in den sogenannten Dark Ages zu – jedenfalls, wenn man denen glaubt, die diese Geschichten Jahrhunderte später aufgeschrieben haben. Das meiste, was Geoffrey of Monmouth da so erzählt über Uther, Artus & Co., beruht, vorsichtig ausgedrückt, auf eher dünner Beweislage. Seine Beschreibung der Burg Tintagel dagegen kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Tintagel gibt es. Hoch über der Küste von Cornwall gelegen, von Steilhängen umgeben, ist es ein perfekter Ort, um eine Festung zu errichten. Dies wurde offensichtlich auch mehrmals getan; die archäologischen Funde reißen und reißen nicht ab. Wir gucken uns das mal an – heute abend, 20:00, bei Skulptur kaputt auf Radio Blau.

 

Soll in Tintagel geboren sein: König Artus. Hier beim Grillen mit einem Riesen. Illustration aus dem Roman de Brut von Wace, freundlicherweise eingescannt von der British Library, in deren Katalog man schnell Stunden verliert. CC0 1.0

*Geoffrey of Monmouth: Historia Regium Britanniae, Buch 8 (ca. 1136), aus dem Lateinischen ins Englische übertragen von Aaron Thompson und J.A. Giles.

Walks on the Wild Side: Ein Industrieller erforscht die Armut

Schreibt ein Sozialist in einer Zeitung: 25 % unserer Stadtbevölkerung leben in Armut. Antwortet ein Konservativer: Glaub ich nicht. Ich untersuche das selbst. Der Sozialist: Bitte, mach doch. Find ich prima. Einige Jahre später: Der Konservative ist mit seinen Forschungen fertig und korrigiert die Zahl auf 30 %!  Dafür würdigt ihn ersterer in seiner später erscheinenden Autobiographie für seine Verdienste. Unvorstellbar? Genauso ist es geschehen gegen Ende der Zeit von Königin Victoria in London, und damit sollte einiges losgetreten werden; zum einen politisch, aber nicht zuletzt erhielt auch die Methodik der empirischen Sozialforschung einige wertvolle Inputs.

Weiterlesen

Morgen, 11.1. bei Radio Blau: Limehouse Blues

Solche Tätigkeiten gabs auch.

Solche Tätigkeiten gabs auch. Aus „London Labour and the London Poor“ von Henry Hayfew, London 1861. Kann man dank der University of California hier durchlesen.

Was Queen Victoria wohl von Steampunk gehalten hätte? Man weiß es nicht. Sonst weiß man über sie natürllch sehr viel, und das unterscheidet sie von der überwiegenden Mehrheit ihrer Untertanen. Die Durchschnittsengländerin des 19. Jahrhunderts war keine Adlige, ihr Bruder kein berühmter Meisterdetektiv. Es wurden allerdings auch die wenigsten von irren Serienmördern umgebracht. Die Hauptprobleme der zahlreichen „kleinen Leute“, die ihr Leben in den Jugendjahren der Industrialisierung fristeten, waren viel profaner. Was esse ich heute, und wo kriege ich es her? Mein Job ist weg und die Vermieterin steht vor der Tür. Nebenan haben sie schon wieder Typhus, die Themse stinkt zum Himmel und jetzt ist auch noch die Teekanne kaputt.

Wir wühlen uns in unserer nächsten Sendung mal durch zeitgenössische Zeitungsartikel und archäologische Befunde, die an einem der trostlosesten vorstellbaren Orte sichergestellt wurden: im Abort dreier Mietshäuser in Limehouse, einer Londoner Gegend, die man heute wohl als „sozialen Brennpunkt“ bezeichnen würde. Schaltet ein! Mittwoch, 20 Uhr auf Radio Blau!

Das Crossrail-Projekt (1): Ein Tunnel durch 2000 Jahre London

Eine Stunde Radiosendung zu bestreiten kann manchmal viel schwieriger sein, als es drei Stunden wären. So ähnlich ging es uns bei unserer letzten Sendung am 19.10.: So viel Material, was lässt man da weg?

„So viel Material“, das sind im Wortsinn sagenhafte 5 Millionen Tonnen Abraum. Diese fallen derzeit in London an, wo ein sehr ehrgeiziges Bauprojekt durchgeführt wird*, nämlich eine Bahnverbindung von Reading im Westen bis Shenfield im Osten: Das Crossrail-Projekt, mittlerweile auch Elizabeth Line genannt. Das Besondere daran: Unter der Stadt London muss dafür ein neuer Tunnel gebohrt werden, und zwar bis zu 40 Meter tief. Zusätzlich entstehen fünf neue unterirdische Bahnhöfe.

Ein historisches Gebäude musste der neuen Bahnlinie weichen: Hier stand das Astoria Theater.

Ein historisches Gebäude musste der neuen Bahnlinie weichen: Hier stand das London Astoria Theatre. Geklaut von carlbob auf Flickr. CC BY-SA 2.0

Weiterlesen

Pestilenz und Römerstraßen: Der Londoner Untergrund wird aufgewühlt

Morgen, 20:00 auf Radio Blau: Wir begeben uns durch einen Tunnel, der gerade in London neu entsteht. Wer 40 Meter tief gräbt, kommt unterwegs an 2000 Jahren spannender Geschichte vorbei – und an jeder Menge Schädel, wie sich herausgestellt hat. Wie die medizinische Forschung von Parkplatzmangel profitiert und warum ein unterirdischer Bach dazu beiträgt, eine keltische Königin von jeglicher Schuld freizusprechen; das alles hört ihr, wenn ihr mögt, morgen Abend bei Skulptur kaputt.

In 5 Millionen Tonnen Abraum findet sich so mancher historische Schatz. Crossrail construction, Tenterden Street von Stephen Richards, CC BY-SA 2.0

In 5 Millionen Tonnen Abraum findet sich so mancher historische Schatz. Crossrail construction, Tenterden Street von Stephen Richards, CC BY-SA 2.0

Verlorene Schätze (2): Ein Mann, ein Schiff, zwei Stricke.

In unserer letzten Sendung bei Radio Blau redeten wir über verlorene Schätze. Eine Geschichte, die uns besonders erzählenswert scheint, ist die von Captain William Kidd. Was macht ausgerechnet diesen Piraten so interessant – war er besonders grausam? Eigentlich nicht. Hat er ganz besonders viele Reichtümer angehäuft? Auch nicht. Hat er die Weltmeere ausgesprochen lange unsicher gemacht? Nö. Kidds Biographie ist vor allem ein Lehrstück über die Zeit, in der er gelebt hat; doch lest selbst!

Weiterlesen

Verlorene Schätze (1) – Johann Ohnekrone

Heieiei, wie die Weihnachtszeit uns immer in Beschlag nimmt! Und urplötzlich war der ganze Glühweinspuk schon wieder vorbei, 2016 kam mit Siebenmeilenstiefeln angeböllert und zack war unser erster Sendetermin des Jahres da; diesmal, am 13.01.16 um 20:00, beschäftigten wir uns bei Radio Blau mit dem Thema verlorene Schätze. Wir begannen also mal ein bisschen unseriös und stocherten im Nebel der sagenumwobenen verlorenen Dinge, die eben gerade noch nicht ausgegraben sind. Wenn es sie denn überhaupt jemals gegeben hat.

Weiterlesen