Giftmischer und Goldmacher (2/2): Mittwoch, 3.5. bei Radio Blau!

Gold hergestellt haben sie nicht. Krankheiten geheilt: Bedingt. Die letzten Geheimnisse der feinstofflichen Welt ergündet? Können wir nicht beurteilen, not our department. Bei ihrem Versuch, diese Aufgaben zu lösen, fanden die Alchemisten der frühen Neuzeit allerdings einiges heraus, was uns bis heute bereichert: Vor allem, wenn man im Labor arbeitet; im seltenen Einzelfall, wenn man sich eine tropische Parasitenkrankheit zugezogen hat; nicht zuletzt aber, wenn man gelegentlich von Tellern isst oder aus Tassen trinkt. Wie das? Lasst euch wieder einmal beide Ohren abkauen von Nora und abkalauern von Lars: Morgen, 20:00, in eurem Leipziger Lieblingsradio 🙂

Dass Laborarbeit glücklich macht, wusste schon Anna von Dänemark, die sächsische Kurfürstin an der Seite August I. Sie destillierte gerne, er schmolz Erze. Wahrscheinlich das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe. (Hier porträtiert von Lucas Cranach d.J.)

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Giftmischer und Goldmacher (1/2): Mittwoch, 5.4. bei Radio Blau

Mit der Goldherstellung hat es letztlich nicht so recht klappen wollen. Das heißt nicht, dass die Alchemisten der frühen Neuzeit sich ausschließlich mit Quatsch beschäftigt haben: Unter anderem haben sie nützliche Utensilien erfunden, die zum Teil noch immer in modernen Labors verwendet werden, und wie es in der Forschung oft so ist, haben sie auf ihrer Suche nach Vollendung völlig unverhofft ganz andere Dinge entdeckt. Der Job war aber nichts für schwache Nerven: Wer sich nicht versehentlich in die Luft gejagt hat, vergiftete sich sukzessive mit Schwermetallen oder sah sich staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Oder kirchlicher. Oder der von geprellten Kunden, deren Stein der Weisen nicht das hielt, was ihnen versprochen wurde. Ein solches Alchemistenlabor haben wir uns in Halle im Museum angesehen und erzählen am Mittwoch von unseren Eindrücken. Wer mit uns transmutieren will, schalte um 20:00 Radio Blau ein!

Wer die Gedankenwelt der Alchemisten verstehen will, muss sich auf jede Menge Symbole und Allegorien einlassen. Hier sehen wir eine für das Element Antimon. Was es damit auf sich hat? Wie gesagt: Mittwoch 20:00 🙂 (Bild geklaut aus: Maier, Michael: Atalanta fugiens, hoc est, emblemata nova de secretis naturae chymica, accommodata partim oculis & intellectui, figuris cupro incisis, adiectisque sententiis, […]. Oppenheimii : ex typographia Hieronymi Galleri, sumptibus Ioh. Theodori de Bry, 1617. S. 205 Stiftung der Werke von C.G.Jung, Zürich.

Samstag, 1.4. um 18:00 bei Radio Blau: Die Schlacht von Visby

Huch? Samstag Skulptur Kaputt? Und gab es das Thema nicht schon einmal?

Ja, und ja! Unser Archiv ist mittlerweile so gefüllt, dass wir durchaus mal eine außerplanmäßige Wiederholung einstreuen können. Wer also letztes Jahr im September unsere Sendung über den verhängnisvollen Juli 1361 verpasst hat, hat jetzt die Chance, das nachzuholen. Es geht um eine Eroberung im ewigen skandinavischen Hickhack, wem welche Insel gehört, aber auch um Geld, Verrat und Klassenkampf! Also nehmt das Radio mit in den Park und seid dabei.

Dienstag, der 27.7.1361: Für Valdemar Atterdag hat sich der Tag gelohnt.

Bienvenido a la jungla!*

Der Amazonas-Regenwald ist bekanntermaßen sehr groß, sehr gefährlich und sehr gefährdet. Allerdings ist er keineswegs so homogen und „wild“, wie man ihn sich landläufig vorstellen mag. Viele Jahrhunderte vor Ankunft der Europäer lebten dort bereits Menschen, die sehr unterschiedliche Sprachen und Lebensweisen pflegten. Leider hat, soweit wir wissen, niemand von ihnen etwas aufgeschrieben. Reiseberichte der Conquistadores lesen sich zwar spannend, sind aber erstens aus eher unfriedlicher Perspektive verfasst und zweitens wahrscheinlich von eingeschränkter wissenschaftlicher Zuverlässigkeit.

Wenn das mal stimmt: Ulrich Schmidel will im 16. Jahrhundert diese Riesenschlangen im Fluss Parana vorgefunden haben (Reisebericht).

Wer also mehr über die alten Kulturen im zweitgrößten Wald der Welt erfahren möchte, muss sich auf mündliche Überlieferungen berufen oder aber auf die Suche nach handfesten Spuren machen. Wir versuchen uns man dran, das Ergebnis ist dem Gegenstand entsprechend wahscheinlich eher anekdotisch als linear. Seid dabei, heute um 20:00 auf Radio Blau, mit Skulptur kaputt erstmals in Südamerika!

*Oder: Bem-vindo à selva, je nach dem, in welchem der Anrainerstaaten man sich befindet. Wer „Willkommen im Dschungel“ auf Kayapo oder Tupi sagen kann, melde sich bitte mal, damit ich das ergänzen kann!

Mehr als die Summe seiner Tesserae*

Schwer zu sagen, wann der erste Mensch auf die grandiose Idee kam, aus einem Sack Steinchen oder Glasböppel ein Bild zu schaffen. Ganz groß wurde diese Kunst spätestens in der römischen Antike, und seitdem ist sie aus Tempeln und Kirchen, Palästen und dem Niedersachsenstadion nicht mehr wegzudenken: Es geht um das mosaicum opus, das „Werk für die Musen“, das Mosaik also. Glaubt man der Wikipedia, gibt es Mosaiken schon länger als den modernen Menschen, nämlich seit fast 400.000 Jahren. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben. Ohne Frage ist es spektakulär, dass auch Homo Erectus schon gepflasterte Plätze kannte, aber die Qualität etwa der Darstellung von Kaiserin Theodora oder der Innenhöfe von Herculaneum wurde von den Urthüringern wohl noch nicht so ganz erreicht.

Mosaike überall! In Rom lohnt es sich, öfter mal auf den Fußboden zu gucken. Sowas hier zählt da zu den kleinsten Übungen und wird nirgends weiter erwähnt.

Mosaike überall! In Rom lohnt es sich, öfter mal auf den Fußboden zu gucken. Sowas hier zählt da zu den kleinsten Übungen und wird gar nicht weiter erwähnt.

Trotzdem gut, dass sie einmal damit angefangen haben, denn in ihrer langen Geschichte hat die Darstellungsform Mosaik eine unglaubliche Vielfalt an Größen, Formen, Farben, Materialien, Stilen und Anwendungsbereichen entwickelt. Das Schöne an Mosaiken ist dabei nicht nur, dass sie eben schön sind, sondern auch, dass sie recht häufig aus dauerhaften Materialien gefertigt wurden, deren Farbe auch nach Jahrhunderten noch strahlt, selbst wenn sie auf dem Boden lagen. Wir wollen morgen abend (Mittwoch, 8.2., wie immer um 20:00 auf Radio Blau) mal versuchen, uns der Geschichte des Mosaiks und der dafür verwendeten Materialien zu widmen und das eine oder andere besonders erwähnenswerte Exemplar zu besprechen. Seid dabei!

 

*Nicht zu verwechseln mit dem Tesserakt!
Heißt es jetzt „die Mosaike“ oder „die Mosaiken“? Ich kann mich nicht entscheiden. Familie Duden erlaubt beides.

Walks on the Wild Side: Ein Industrieller erforscht die Armut

Schreibt ein Sozialist in einer Zeitung: 25 % unserer Stadtbevölkerung leben in Armut. Antwortet ein Konservativer: Glaub ich nicht. Ich untersuche das selbst. Der Sozialist: Bitte, mach doch. Find ich prima. Einige Jahre später: Der Konservative ist mit seinen Forschungen fertig und korrigiert die Zahl auf 30 %!  Dafür würdigt ihn ersterer in seiner später erscheinenden Autobiographie für seine Verdienste. Unvorstellbar? Genauso ist es geschehen gegen Ende der Zeit von Königin Victoria in London, und damit sollte einiges losgetreten werden; zum einen politisch, aber nicht zuletzt erhielt auch die Methodik der empirischen Sozialforschung einige wertvolle Inputs.

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Morgen, 11.1. bei Radio Blau: Limehouse Blues

Solche Tätigkeiten gabs auch.

Solche Tätigkeiten gabs auch. Aus „London Labour and the London Poor“ von Henry Hayfew, London 1861. Kann man dank der University of California hier durchlesen.

Was Queen Victoria wohl von Steampunk gehalten hätte? Man weiß es nicht. Sonst weiß man über sie natürllch sehr viel, und das unterscheidet sie von der überwiegenden Mehrheit ihrer Untertanen. Die Durchschnittsengländerin des 19. Jahrhunderts war keine Adlige, ihr Bruder kein berühmter Meisterdetektiv. Es wurden allerdings auch die wenigsten von irren Serienmördern umgebracht. Die Hauptprobleme der zahlreichen „kleinen Leute“, die ihr Leben in den Jugendjahren der Industrialisierung fristeten, waren viel profaner. Was esse ich heute, und wo kriege ich es her? Mein Job ist weg und die Vermieterin steht vor der Tür. Nebenan haben sie schon wieder Typhus, die Themse stinkt zum Himmel und jetzt ist auch noch die Teekanne kaputt.

Wir wühlen uns in unserer nächsten Sendung mal durch zeitgenössische Zeitungsartikel und archäologische Befunde, die an einem der trostlosesten vorstellbaren Orte sichergestellt wurden: im Abort dreier Mietshäuser in Limehouse, einer Londoner Gegend, die man heute wohl als „sozialen Brennpunkt“ bezeichnen würde. Schaltet ein! Mittwoch, 20 Uhr auf Radio Blau!