Archiv der Kategorie: Gesendetes

Das Crossrail-Projekt (1): Ein Tunnel durch 2000 Jahre London

Eine Stunde Radiosendung zu bestreiten kann manchmal viel schwieriger sein, als es drei Stunden wären. So ähnlich ging es uns bei unserer letzten Sendung am 19.10.: So viel Material, was lässt man da weg?

„So viel Material“, das sind im Wortsinn sagenhafte 5 Millionen Tonnen Abraum. Diese fallen derzeit in London an, wo ein sehr ehrgeiziges Bauprojekt durchgeführt wird*, nämlich eine Bahnverbindung von Reading im Westen bis Shenfield im Osten: Das Crossrail-Projekt, mittlerweile auch Elizabeth Line genannt. Das Besondere daran: Unter der Stadt London muss dafür ein neuer Tunnel gebohrt werden, und zwar bis zu 40 Meter tief. Zusätzlich entstehen fünf neue unterirdische Bahnhöfe.

Ein historisches Gebäude musste der neuen Bahnlinie weichen: Hier stand das Astoria Theater.

Ein historisches Gebäude musste der neuen Bahnlinie weichen: Hier stand das London Astoria Theatre. Geklaut von carlbob auf Flickr. CC BY-SA 2.0

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Würmer, Rücken, Schwermetalle: Eine 2000 Jahre alte Krankenakte wird geschlossen.

Mumien sind gar keine Seltenheit. Prinzipiell versteht man darunter erst einmal einen toten Körper, dessen Zerfall aus irgendwelchen Gründen stark verzögert ist. Das kann durch gezielte Maßnahmen herbeigeführt werden oder einfach aufgrund der Umweltbedingungen passieren. Wer wie ich eher ländlich aufgewachsen ist und seine Kindheit zu großen Teilen im Wald verbracht hat, wird mehr als einmal auf einen vertrockneten Frosch oder ähnliches gestoßen sein. Auch Mammuts im Permafrostboden oder wie gegerbtes Leder aussehende Moorleichen sind Beispiele für Mumifizierung, die sich einfach so ergibt.

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Von Walrossen und Bischöfen

Walrosse sind toll. Sie können drei Meter lang, eine Tonne schwer und 40 Jahre alt werden. Außerdem lassen sie sich natürlich ihre berühmten Stoßzähne wachsen, einen halben Meter und länger. Genau das aber ist ihnen jahrhundertelang zum Verhängnis geworden: Als „Elfenbein des Nordens“ waren diese Zähne ein begehrtes Material für Kunstgegenstände, Waffen, und manchmal eben auch – Schachfiguren. Zum Beispiel die sogenannten Lewis Chessmen, über die wir in unserer letzten Sendung bei Radio Blau sprachen.

Dieses Walross ist nicht nur gut gekleidet und Hauptfigur eines berühmten Gedichtes, sondern hat zum Glück auch seine Stoßzähne noch.

Dieses Walross ist nicht nur gut gekleidet, sondern hat zum Glück auch seine Stoßzähne noch (seine größte Sorge ist der viele Sand. Aber das ist eine andere Geschichte).

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Krieg gehört ins Museum (2/2): Die Schlacht bei Lützen

Auf die Frage, in welcher Zeit sie am liebsten leben würden, nennen die meisten Deutschen angeblich die 1980er Jahre. Gut, in der betreffenden Umfrage war die Auswahl auf das 20. Jahrhundert beschränkt; wäre dies freier gestaltet gewesen, hätten sich vielleicht auch manche für Sturm & Drang, altes Rom oder die Zukunft interessiert. Wer allerdings halbwegs gleichzeitig laufen und sprechen kann, würde sich (zumindest in Mitteleuropa) wahrscheinlich niemals in die Zeit versetzen lassen wollen, von der wir heute sprechen, nämlich die Jahre von 1618 bis 1648. Was war passiert? Am 23. Mai 1618 schubste man Jaroslav Borsita von Martinic, Wilhelm Slavata und Philipp Fabricius aus einem Fenster. Das war in Prag, wo so etwas weder zum ersten noch zum letzten Mal passieren sollte. Die drei Namen werden kaum noch jemandem etwas sagen, aber im Anschluss an dieses Ereignis, kann man sagen, the shit hit the fan – drei Jahrzehnte Elend und Verwüstung sollten anbrechen. Eine Massenschlacht, die ganze Städte entvölkerte und einen Großteil der Generation als Söldner durch die Lande irren ließ – der Dreißigjährige Krieg.

Die unsterbliche Therese Giehse 1966 als Mutter Courage in Bertolt Brechts gleichnamigem Stück.

Die unsterbliche Therese Giehse, 1966 porträtiert als Mutter Courage in Bertolt Brechts gleichnamigem Stück. Von Günter Rittner, CC BY 3.0, über Wikimedia Commons

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Krieg gehört ins Museum! (1/2: Die Anfänge)

Wir waren mal wieder im Museum! Und zwar im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, in einer Sonderausstellung zum Thema „KRIEG – Eine archäologische Spurensuche“. Erst war ich nicht ganz sicher, ob ich da eigentlich hingehen will. Wer derzeit das Radio einschaltet, kann ja schnell zu dem Schluss kommen, dass es überhaupt nur noch Krieg und Terror auf der Welt gibt. Wir haben uns dann trotzdem aufgerafft und sind im Nachhinein froh darüber.

Bilder gibt's in Halle nur gegen Bares.

Bilder gibt’s in Halle nur gegen Bares.

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Verlorene Schätze (2): Ein Mann, ein Schiff, zwei Stricke.

In unserer letzten Sendung bei Radio Blau redeten wir über verlorene Schätze. Eine Geschichte, die uns besonders erzählenswert scheint, ist die von Captain William Kidd. Was macht ausgerechnet diesen Piraten so interessant – war er besonders grausam? Eigentlich nicht. Hat er ganz besonders viele Reichtümer angehäuft? Auch nicht. Hat er die Weltmeere ausgesprochen lange unsicher gemacht? Nö. Kidds Biographie ist vor allem ein Lehrstück über die Zeit, in der er gelebt hat; doch lest selbst!

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Verlorene Schätze (1) – Johann Ohnekrone

Heieiei, wie die Weihnachtszeit uns immer in Beschlag nimmt! Und urplötzlich war der ganze Glühweinspuk schon wieder vorbei, 2016 kam mit Siebenmeilenstiefeln angeböllert und zack war unser erster Sendetermin des Jahres da; diesmal, am 13.01.16 um 20:00, beschäftigten wir uns bei Radio Blau mit dem Thema verlorene Schätze. Wir begannen also mal ein bisschen unseriös und stocherten im Nebel der sagenumwobenen verlorenen Dinge, die eben gerade noch nicht ausgegraben sind. Wenn es sie denn überhaupt jemals gegeben hat.

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