Archiv der Kategorie: Ankündigungen

Die Schratzln und ihre Ratgöbluckn

In sehr vielen Löchern unter der Erde lebten keine Hobbits. Wahrscheinlich lebte dort niemand. Obwohl es sich um künstliche Höhlen handelt, ist nicht einmal klar, was dort überhaupt getrieben wurde. Die Rede ist von Schratzllöchern oder Erdställen; unterirdischen mittelalterlichen Gängen, die aus mancher Gegend in Bayern oder Österreich eine Art Schweizer Käse machen. Aus der Schweiz allerdings nicht. Alles sehr merkwürdig, wir gucken uns das mal an. Seid dabei! Morgen, wie immer um 20:00, bei Radio Blau.

Wer ging hier lang, und warum? Ein Gang im Erdstall Ratgöbluckn, aufgenommen von Wolfgang Sauber. CC BY-SA 3.0

Was wir noch sagen wollten

Ein gern geäußerter Satz um 20:55 lautet: „Dazu gäbe es noch viel mehr zu erzählen, aber die Sendung ist gleich vorbei.“ Das haben wir jetzt schon mehr als 30 mal erlebt, deshalb soll heute mal ein kleines bisschen Zeit und Raum sein, um die eine oder andere Geschichte weiter zu erzählen: Wie ging das jetzt mit der Thermolumineszenzdatierung? Was hatte es mit der heiligen Hochzeit auf sich? Was gibt es noch außer Alphabet- und Bilderschrift? Welche Zapfenverbindungen kannten die alten Römer? Mit welchen Farben wurden die byzantinischen Mosaiksteine gefärbt? Wurde Nofretete endlich gefunden? Gibt’s neues vom Voynich-Manuskript? Wurden in Hunan noch mehr Feuchtmumien gefunden? Das alles oder weniger heute, wie immer um 20:00 Uhr, auf Radio Blau.

In Stein gehauen

Auf der ganzen Welt gibt es Petroglyphen: In Fels geritzte Bilder von Tieren, Menschen, Planeten, abstrakten Mustern und manchmal sogar Schweinkram. Teilweise sind sie älter als alles andere, was ihre Urheber uns hinterlassen haben, und stellen damit das einzige Zeugnis von menschlicher Kultur zu ihrer Zeit dar – wir begeben uns heute abend also bis in die hintersten Winkel der ganz alten Altsteinzeit. Featuring endlich mal wieder einen Block zum Thema Datierungsmethoden! Seid dabei, heute Abend auf Radio Blau um 20:00!

Verschiedene schwedische Felsreliefs, fotografiert von Olof Ekström. CC BY-SA 3.0. Ob die Einfärbungen gemacht werden sollten oder nicht, ist umstritten; hilfreich für den Betrachter sind sie allemal.

Baut mehr Ziggurats!

Das neue Jahr wollten wir eigentlich mit einem sehr neuzeitlichen Thema beginnen, aber da hapert es gerade noch mit der Quellenlieferung. Deshalb verschieben wir das mal um vier Wochen und verweilen in unserer Januarsendung noch ein bisschen im antiken Zweistromland. Im Gegensatz zu den rätselhaften Indusmenschen ist über das Leben der benachbarten Damen und Herren in Babylon oder Uruk recht viel bekannt, denn sie haben einfach alles notiert. Es gäbe wahrscheinlich sehr viel zu sagen über ihre Geschichte, ihre Literatur, ihre Gesellschaft; morgen soll es aber um das spannendste gehen, was Mesopotamien zu bieten hatte: Funktionsbauten, Lohnabrechnungen und Werkstoffkunde! Los geht’s wie immer um 20:00 bei Radio Blau.

Babylonische Lohnbuchhaltung, freundlicherweise in die Public Domain geschmissen vom Metropolitan Museum.

Ein Fluss mit tausend Siegeln

Siedlungen, die selbst nach heutigen Maßstäben als mittelgroße Stadt durchgehen würden. Handelsbeziehungen über viele hundert Kilometer hinweg. Kunst und Kanalisation, Schmuck und Spielzeug, und darüber hinaus eine Fülle von briefmarkengroßen Steintäfelchen, deren Inschrift bis heute Rätsel aufgibt. Keinerlei Anzeichen für kriegerische Aktivitäten. Das ist, zusammengefasst, die Bilanz aus 800 Jahren Bronzezeit im heutigen Pakistan.

Dies ist der sogenannte Priesterkönig von Mohenjo Daro (hochgeladen von Mamoon Mengal, CC BY-SA 1.0). Eigentlich wissen wir gar nicht, ob es Priesterkönige gab. Oder Priester. Oder Könige. Es ist alles ein wildes Mutmaßen.

Eigentlich kaum zu glauben, aber eine der ganz großen frühen Hochkulturen war 3000 Jahre lang mehr oder weniger vergessen. Umso mehr Projektionsfläche bietet sie heutzutage für Interessengruppen aller Couleur, und so muss anscheinend sogar mit Morddrohungen rechnen, wer sich in der Forschung allzu deutlich positioniert, wenn es darum geht, wer sie waren, was aus ihnen wurde und was sie da eigentlich in ihre Täfelchen geritzt haben: Die Menschen der Indus-Kultur. Wir graben mal mit, und geben uns größte Mühe, neutral zu bleiben. Seid dabei, morgen um 20:00 bei Radio Blau!

 

Morgen, 20:00 bei Radio Blau: Die Lewis-Chessmen

Wo warst Du am 4. Mai 2016 um 20:00 Uhr? Falls die Antwort NICHT lautet „vorm Radio“, gibt es morgen die Chance, Verlorenes nachzuholen, denn wir wiederholen unsere beliebte Sendung über die schottischen Schachmännchen! Seid dabei auf 99,2.

1831 gefundene Schachfigur aus Uig. Geklaut von Mike Peel über Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Palim, palim, palimpsest!

Heute abend soll es bei uns um die Segnungen der Wiederverwertung gehen. Recycling war schon in mittelalterlichen Klöstern beliebt, zum Beispiel, wenn es um kostbares Pergament ging. Wollte man ein tolles neues Kirchenlied notieren und hatte nichts zu schreiben da, blieb immer noch der uralte Schinken von irgendeinem Typen namens Cicero, den man sauberkratzen und neu beschreiben konnte. Klingt aus heutiger Sicht katastrophal, hat uns aber quasi aus Versehen so manchen spektakulären Text ins 21. Jahrhundert gerettet, der sonst wahrscheinlich verloren wäre. Seid dabei, wie immer um 20:00 auf Radio Blau!

20 Meter Asche: Heute, 20:00, bei Radio Blau

Unter diesem Ascheberg wurde die Welt von vor 2000 Jahren in einzigartiger Weise konserviert: Heute abend begeben wir uns nach Herculaneum, fast auf den Tag genau 1938 Jahre nach seiner Vernichtung durch den Ausbruch des Vesuv. Die kleine Stadt am Golf von Neapel hat nicht dieselbe Berühmtheit erlang wie das nahegelegene Pompei, ist aber aus archäologischer Sicht mindestens ebenso interessant. Seid dabei, wie immer um 20:00 auf Radio Blau!

Der Vesuv: Ganz früher ein grüner Berg, dann Flammeninferno, jetzt ein rauchendes Loch, um das sehr viele Touristinnen flanieren.

Fels in der Brandung

„My passion for Igerna is such that I can neither have ease of mind, nor health of body, till I obtain her: and if you cannot assist me with your advice how to accomplish my desire, the inward torments I endure will kill me.“—“Who can advise you in this matter,“ said Ulfin, „when no force will enable us to have access to her in the town of Tintagel? For it is situated upon the sea, and on every side surrounded by it; and there is but one entrance into it, and that through a straight rock, which three men shall be able to defend against the whole power of the kingdom.*

So dramatisch ging es in Großbritannien in den sogenannten Dark Ages zu – jedenfalls, wenn man denen glaubt, die diese Geschichten Jahrhunderte später aufgeschrieben haben. Das meiste, was Geoffrey of Monmouth da so erzählt über Uther, Artus & Co., beruht, vorsichtig ausgedrückt, auf eher dünner Beweislage. Seine Beschreibung der Burg Tintagel dagegen kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Tintagel gibt es. Hoch über der Küste von Cornwall gelegen, von Steilhängen umgeben, ist es ein perfekter Ort, um eine Festung zu errichten. Dies wurde offensichtlich auch mehrmals getan; die archäologischen Funde reißen und reißen nicht ab. Wir gucken uns das mal an – heute abend, 20:00, bei Skulptur kaputt auf Radio Blau.

 

Soll in Tintagel geboren sein: König Artus. Hier beim Grillen mit einem Riesen. Illustration aus dem Roman de Brut von Wace, freundlicherweise eingescannt von der British Library, in deren Katalog man schnell Stunden verliert. CC0 1.0

*Geoffrey of Monmouth: Historia Regium Britanniae, Buch 8 (ca. 1136), aus dem Lateinischen ins Englische übertragen von Aaron Thompson und J.A. Giles.

Morgen (28.6.) 20:00 bei Radio Blau: Kreuzfahrt mit Caligula

Die Fischer auf dem Nemi-See hatten schon immer vermutet, dass da irgendwas liegt: Unter der Oberfläche waren seltsame Umrisse auszumachen, in den Netzen blieben eigentümliche Gegenstände hängen. Im 1. Jahrhundert, wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung, waren dort zwei Schiffe versenkt worden und lagen seitdem mehr oder weniger unbehelligt am Grund. Es sollte Jahrhunderte dauern, bis mit Hilfe von Taucherglocken aus Gerüchten Gewissheit wurde: Sie liegen dort immer noch. Weitere Jahrhunderte dauerte es, bis sie geborgen werden konnten. Und wenige Jahre, bis die allgemeine Dämlichkeit des 20. Jahrhunderts sie für immer vernichtete. Zum Glück wurden ein paar Zeichnungen gemacht, von denen wir heute wissen: Die Schiffe des Caligula waren nicht nur groß und beeindruckend, sondern bargen auch einige technische Finessen, von denen man lange glaubte, sie wären erst in der Neuzeit erfunden worden. Wir gucken uns das mal an! Morgen, 20:00 auf Radio Blau.

 

Wie überall ist Italien auch hier sehr schön: Am Nemi-See südöstlich von Rom. Bild geklaut von LPLT. CC BY-SA 3.0