Archiv des Autors: noraconn

Fels in der Brandung

„My passion for Igerna is such that I can neither have ease of mind, nor health of body, till I obtain her: and if you cannot assist me with your advice how to accomplish my desire, the inward torments I endure will kill me.“—“Who can advise you in this matter,“ said Ulfin, „when no force will enable us to have access to her in the town of Tintagel? For it is situated upon the sea, and on every side surrounded by it; and there is but one entrance into it, and that through a straight rock, which three men shall be able to defend against the whole power of the kingdom.*

So dramatisch ging es in Großbritannien in den sogenannten Dark Ages zu – jedenfalls, wenn man denen glaubt, die diese Geschichten Jahrhunderte später aufgeschrieben haben. Das meiste, was Geoffrey of Monmouth da so erzählt über Uther, Artus & Co., beruht, vorsichtig ausgedrückt, auf eher dünner Beweislage. Seine Beschreibung der Burg Tintagel dagegen kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Tintagel gibt es. Hoch über der Küste von Cornwall gelegen, von Steilhängen umgeben, ist es ein perfekter Ort, um eine Festung zu errichten. Dies wurde offensichtlich auch mehrmals getan; die archäologischen Funde reißen und reißen nicht ab. Wir gucken uns das mal an – heute abend, 20:00, bei Skulptur kaputt auf Radio Blau.

 

Soll in Tintagel geboren sein: König Artus. Hier beim Grillen mit einem Riesen. Illustration aus dem Roman de Brut von Wace, freundlicherweise eingescannt von der British Library, in deren Katalog man schnell Stunden verliert. CC0 1.0

*Geoffrey of Monmouth: Historia Regium Britanniae, Buch 8 (ca. 1136), aus dem Lateinischen ins Englische übertragen von Aaron Thompson und J.A. Giles.

Morgen (28.6.) 20:00 bei Radio Blau: Kreuzfahrt mit Caligula

Die Fischer auf dem Nemi-See hatten schon immer vermutet, dass da irgendwas liegt: Unter der Oberfläche waren seltsame Umrisse auszumachen, in den Netzen blieben eigentümliche Gegenstände hängen. Im 1. Jahrhundert, wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung, waren dort zwei Schiffe versenkt worden und lagen seitdem mehr oder weniger unbehelligt am Grund. Es sollte Jahrhunderte dauern, bis mit Hilfe von Taucherglocken aus Gerüchten Gewissheit wurde: Sie liegen dort immer noch. Weitere Jahrhunderte dauerte es, bis sie geborgen werden konnten. Und wenige Jahre, bis die allgemeine Dämlichkeit des 20. Jahrhunderts sie für immer vernichtete. Zum Glück wurden ein paar Zeichnungen gemacht, von denen wir heute wissen: Die Schiffe des Caligula waren nicht nur groß und beeindruckend, sondern bargen auch einige technische Finessen, von denen man lange glaubte, sie wären erst in der Neuzeit erfunden worden. Wir gucken uns das mal an! Morgen, 20:00 auf Radio Blau.

 

Wie überall ist Italien auch hier sehr schön: Am Nemi-See südöstlich von Rom. Bild geklaut von LPLT. CC BY-SA 3.0

Tote in Booten

Heute soll es bei uns um die Vorteile von Schiffsbestattungen gehen. Ob man auf diese Weise besser ins jeweilige Jenseits gelangt, lässt sich zwar nicht belegen; auf jeden Fall aber sind dank Totenschiffen jede Menge Reichtümer verhältnismäßig gut erhalten aus dem Frühmittelalter in unsere Zeit gelangt. So auch ein einzigartiger angelsächsischer Schatz, der vor fast 80 Jahren an der Ostküste Englands gehoben wurde und mittlerweile zu den berühmtesten mittelalterlichen Funden überhaupt gehört: Das königliche* Schiffsgrab** von Sutton Hoo. Also: 20 Uhr Radio Blau einschalten!

Das Original zu diesem Helm trug eventuell einmal ein Angelsachse namens Rædwald. Fotografiert wurde die Replik im British Museum von Gernot Keller.

*vermutlich zumindest

**auch wenn man weder ein Schiff noch eine Leiche fand. Trotzdem wird sich alles zusammenfügen: Heute abend um 20:00 Uhr 🙂

Giftmischer und Goldmacher (2/2): Mittwoch, 3.5. bei Radio Blau!

Gold hergestellt haben sie nicht. Krankheiten geheilt: Bedingt. Die letzten Geheimnisse der feinstofflichen Welt ergündet? Können wir nicht beurteilen, not our department. Bei ihrem Versuch, diese Aufgaben zu lösen, fanden die Alchemisten der frühen Neuzeit allerdings einiges heraus, was uns bis heute bereichert: Vor allem, wenn man im Labor arbeitet; im seltenen Einzelfall, wenn man sich eine tropische Parasitenkrankheit zugezogen hat; nicht zuletzt aber, wenn man gelegentlich von Tellern isst oder aus Tassen trinkt. Wie das? Lasst euch wieder einmal beide Ohren abkauen von Nora und abkalauern von Lars: Morgen, 20:00, in eurem Leipziger Lieblingsradio 🙂

Dass Laborarbeit glücklich macht, wusste schon Anna von Dänemark, die sächsische Kurfürstin an der Seite August I. Sie destillierte gerne, er schmolz Erze. Wahrscheinlich das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe. (Hier porträtiert von Lucas Cranach d.J.)

Giftmischer und Goldmacher (1/2): Mittwoch, 5.4. bei Radio Blau

Mit der Goldherstellung hat es letztlich nicht so recht klappen wollen. Das heißt nicht, dass die Alchemisten der frühen Neuzeit sich ausschließlich mit Quatsch beschäftigt haben: Unter anderem haben sie nützliche Utensilien erfunden, die zum Teil noch immer in modernen Labors verwendet werden, und wie es in der Forschung oft so ist, haben sie auf ihrer Suche nach Vollendung völlig unverhofft ganz andere Dinge entdeckt. Der Job war aber nichts für schwache Nerven: Wer sich nicht versehentlich in die Luft gejagt hat, vergiftete sich sukzessive mit Schwermetallen oder sah sich staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Oder kirchlicher. Oder der von geprellten Kunden, deren Stein der Weisen nicht das hielt, was ihnen versprochen wurde. Ein solches Alchemistenlabor haben wir uns in Halle im Museum angesehen und erzählen am Mittwoch von unseren Eindrücken. Wer mit uns transmutieren will, schalte um 20:00 Radio Blau ein!

Wer die Gedankenwelt der Alchemisten verstehen will, muss sich auf jede Menge Symbole und Allegorien einlassen. Hier sehen wir eine für das Element Antimon. Was es damit auf sich hat? Wie gesagt: Mittwoch 20:00 🙂 (Bild geklaut aus: Maier, Michael: Atalanta fugiens, hoc est, emblemata nova de secretis naturae chymica, accommodata partim oculis & intellectui, figuris cupro incisis, adiectisque sententiis, […]. Oppenheimii : ex typographia Hieronymi Galleri, sumptibus Ioh. Theodori de Bry, 1617. S. 205 Stiftung der Werke von C.G.Jung, Zürich.

Samstag, 1.4. um 18:00 bei Radio Blau: Die Schlacht von Visby

Huch? Samstag Skulptur Kaputt? Und gab es das Thema nicht schon einmal?

Ja, und ja! Unser Archiv ist mittlerweile so gefüllt, dass wir durchaus mal eine außerplanmäßige Wiederholung einstreuen können. Wer also letztes Jahr im September unsere Sendung über den verhängnisvollen Juli 1361 verpasst hat, hat jetzt die Chance, das nachzuholen. Es geht um eine Eroberung im ewigen skandinavischen Hickhack, wem welche Insel gehört, aber auch um Geld, Verrat und Klassenkampf! Also nehmt das Radio mit in den Park und seid dabei.

Dienstag, der 27.7.1361: Für Valdemar Atterdag hat sich der Tag gelohnt.

Bienvenido a la jungla!*

Der Amazonas-Regenwald ist bekanntermaßen sehr groß, sehr gefährlich und sehr gefährdet. Allerdings ist er keineswegs so homogen und „wild“, wie man ihn sich landläufig vorstellen mag. Viele Jahrhunderte vor Ankunft der Europäer lebten dort bereits Menschen, die sehr unterschiedliche Sprachen und Lebensweisen pflegten. Leider hat, soweit wir wissen, niemand von ihnen etwas aufgeschrieben. Reiseberichte der Conquistadores lesen sich zwar spannend, sind aber erstens aus eher unfriedlicher Perspektive verfasst und zweitens wahrscheinlich von eingeschränkter wissenschaftlicher Zuverlässigkeit.

Wenn das mal stimmt: Ulrich Schmidel will im 16. Jahrhundert diese Riesenschlangen im Fluss Parana vorgefunden haben (Reisebericht).

Wer also mehr über die alten Kulturen im zweitgrößten Wald der Welt erfahren möchte, muss sich auf mündliche Überlieferungen berufen oder aber auf die Suche nach handfesten Spuren machen. Wir versuchen uns man dran, das Ergebnis ist dem Gegenstand entsprechend wahscheinlich eher anekdotisch als linear. Seid dabei, heute um 20:00 auf Radio Blau, mit Skulptur kaputt erstmals in Südamerika!

*Oder: Bem-vindo à selva, je nach dem, in welchem der Anrainerstaaten man sich befindet. Wer „Willkommen im Dschungel“ auf Kayapo oder Tupi sagen kann, melde sich bitte mal, damit ich das ergänzen kann!