Archiv für den Monat Januar 2017

Walks on the Wild Side: Ein Industrieller erforscht die Armut

Schreibt ein Sozialist in einer Zeitung: 25 % unserer Stadtbevölkerung leben in Armut. Antwortet ein Konservativer: Glaub ich nicht. Ich untersuche das selbst. Der Sozialist: Bitte, mach doch. Find ich prima. Einige Jahre später: Der Konservative ist mit seinen Forschungen fertig und korrigiert die Zahl auf 30 %!  Dafür würdigt ihn ersterer in seiner später erscheinenden Autobiographie für seine Verdienste. Unvorstellbar? Genauso ist es geschehen gegen Ende der Zeit von Königin Victoria in London, und damit sollte einiges losgetreten werden; zum einen politisch, aber nicht zuletzt erhielt auch die Methodik der empirischen Sozialforschung einige wertvolle Inputs.

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Morgen, 11.1. bei Radio Blau: Limehouse Blues

Solche Tätigkeiten gabs auch.

Solche Tätigkeiten gabs auch. Aus „London Labour and the London Poor“ von Henry Hayfew, London 1861. Kann man dank der University of California hier durchlesen.

Was Queen Victoria wohl von Steampunk gehalten hätte? Man weiß es nicht. Sonst weiß man über sie natürllch sehr viel, und das unterscheidet sie von der überwiegenden Mehrheit ihrer Untertanen. Die Durchschnittsengländerin des 19. Jahrhunderts war keine Adlige, ihr Bruder kein berühmter Meisterdetektiv. Es wurden allerdings auch die wenigsten von irren Serienmördern umgebracht. Die Hauptprobleme der zahlreichen „kleinen Leute“, die ihr Leben in den Jugendjahren der Industrialisierung fristeten, waren viel profaner. Was esse ich heute, und wo kriege ich es her? Mein Job ist weg und die Vermieterin steht vor der Tür. Nebenan haben sie schon wieder Typhus, die Themse stinkt zum Himmel und jetzt ist auch noch die Teekanne kaputt.

Wir wühlen uns in unserer nächsten Sendung mal durch zeitgenössische Zeitungsartikel und archäologische Befunde, die an einem der trostlosesten vorstellbaren Orte sichergestellt wurden: im Abort dreier Mietshäuser in Limehouse, einer Londoner Gegend, die man heute wohl als „sozialen Brennpunkt“ bezeichnen würde. Schaltet ein! Mittwoch, 20 Uhr auf Radio Blau!