Glockenbecher und Menschenopfer

Bereits in den 1990ern wurden in Sachsen-Anhalt aus der Luft eine Reihe regelmäßiger Strukturen ausgemacht, die sich bei näherer Betrachtung als sogenannte Kreisgrabenanlagen herausgestellt haben. Eine besonders große und eindrucksvolle Anlage dieser Art wird seit gut 10 Jahren im Salzlandkreis erforscht: Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde, unweit von Schönebeck an der Elbe. Sie war vermutlich einige Jahrhunderte in Betrieb und liefert einige Erkenntnisse über eine Zeit, über die wir nicht besonders viel wissen: Den Übergang von Neolithikum zu Jungsteinzeit Bronzezeit,1 hierzulande etwa 4000 Jahre her. Wir wollen uns das heute abend mal angucken, wie immer um 20:00 bei Radio Blau. Spoiler: Es war nicht unbedingt gewaltfrei.

„Model of the spatial organisation of the Pömmelte enclosure“, erstellt von André Spatzier, veröffentlicht in antiquity 92363(2018):655–673, CC BY 4.0

1Danke dem aufmerksamen Leser, der diesen seltsamen Fehler sehr schnell gefunden hat. Wurde während des Übergangs von 12 Uhr nach Mittag getippt, als das Hirn wegen Hunger und Hitze hinterherhinkte.

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Die Schratzln und ihre Ratgöbluckn

In sehr vielen Löchern unter der Erde lebten keine Hobbits. Wahrscheinlich lebte dort niemand. Obwohl es sich um künstliche Höhlen handelt, ist nicht einmal klar, was dort überhaupt getrieben wurde. Die Rede ist von Schratzllöchern oder Erdställen; unterirdischen mittelalterlichen Gängen, die aus mancher Gegend in Bayern oder Österreich eine Art Schweizer Käse machen. Aus der Schweiz allerdings nicht. Alles sehr merkwürdig, wir gucken uns das mal an. Seid dabei! Morgen, wie immer um 20:00, bei Radio Blau.

Wer ging hier lang, und warum? Ein Gang im Erdstall Ratgöbluckn, aufgenommen von Wolfgang Sauber. CC BY-SA 3.0

Was wir noch sagen wollten

Ein gern geäußerter Satz um 20:55 lautet: „Dazu gäbe es noch viel mehr zu erzählen, aber die Sendung ist gleich vorbei.“ Das haben wir jetzt schon mehr als 30 mal erlebt, deshalb soll heute mal ein kleines bisschen Zeit und Raum sein, um die eine oder andere Geschichte weiter zu erzählen: Wie ging das jetzt mit der Thermolumineszenzdatierung? Was hatte es mit der heiligen Hochzeit auf sich? Was gibt es noch außer Alphabet- und Bilderschrift? Welche Zapfenverbindungen kannten die alten Römer? Mit welchen Farben wurden die byzantinischen Mosaiksteine gefärbt? Wurde Nofretete endlich gefunden? Gibt’s neues vom Voynich-Manuskript? Wurden in Hunan noch mehr Feuchtmumien gefunden? Das alles oder weniger heute, wie immer um 20:00 Uhr, auf Radio Blau.

In Stein gehauen

Auf der ganzen Welt gibt es Petroglyphen: In Fels geritzte Bilder von Tieren, Menschen, Planeten, abstrakten Mustern und manchmal sogar Schweinkram. Teilweise sind sie älter als alles andere, was ihre Urheber uns hinterlassen haben, und stellen damit das einzige Zeugnis von menschlicher Kultur zu ihrer Zeit dar – wir begeben uns heute abend also bis in die hintersten Winkel der ganz alten Altsteinzeit. Featuring endlich mal wieder einen Block zum Thema Datierungsmethoden! Seid dabei, heute Abend auf Radio Blau um 20:00!

Verschiedene schwedische Felsreliefs, fotografiert von Olof Ekström. CC BY-SA 3.0. Ob die Einfärbungen gemacht werden sollten oder nicht, ist umstritten; hilfreich für den Betrachter sind sie allemal.

Baut mehr Ziggurats!

Das neue Jahr wollten wir eigentlich mit einem sehr neuzeitlichen Thema beginnen, aber da hapert es gerade noch mit der Quellenlieferung. Deshalb verschieben wir das mal um vier Wochen und verweilen in unserer Januarsendung noch ein bisschen im antiken Zweistromland. Im Gegensatz zu den rätselhaften Indusmenschen ist über das Leben der benachbarten Damen und Herren in Babylon oder Uruk recht viel bekannt, denn sie haben einfach alles notiert. Es gäbe wahrscheinlich sehr viel zu sagen über ihre Geschichte, ihre Literatur, ihre Gesellschaft; morgen soll es aber um das spannendste gehen, was Mesopotamien zu bieten hatte: Funktionsbauten, Lohnabrechnungen und Werkstoffkunde! Los geht’s wie immer um 20:00 bei Radio Blau.

Babylonische Lohnbuchhaltung, freundlicherweise in die Public Domain geschmissen vom Metropolitan Museum.

Ein Fluss mit tausend Siegeln

Siedlungen, die selbst nach heutigen Maßstäben als mittelgroße Stadt durchgehen würden. Handelsbeziehungen über viele hundert Kilometer hinweg. Kunst und Kanalisation, Schmuck und Spielzeug, und darüber hinaus eine Fülle von briefmarkengroßen Steintäfelchen, deren Inschrift bis heute Rätsel aufgibt. Keinerlei Anzeichen für kriegerische Aktivitäten. Das ist, zusammengefasst, die Bilanz aus 800 Jahren Bronzezeit im heutigen Pakistan.

Dies ist der sogenannte Priesterkönig von Mohenjo Daro (hochgeladen von Mamoon Mengal, CC BY-SA 1.0). Eigentlich wissen wir gar nicht, ob es Priesterkönige gab. Oder Priester. Oder Könige. Es ist alles ein wildes Mutmaßen.

Eigentlich kaum zu glauben, aber eine der ganz großen frühen Hochkulturen war 3000 Jahre lang mehr oder weniger vergessen. Umso mehr Projektionsfläche bietet sie heutzutage für Interessengruppen aller Couleur, und so muss anscheinend sogar mit Morddrohungen rechnen, wer sich in der Forschung allzu deutlich positioniert, wenn es darum geht, wer sie waren, was aus ihnen wurde und was sie da eigentlich in ihre Täfelchen geritzt haben: Die Menschen der Indus-Kultur. Wir graben mal mit, und geben uns größte Mühe, neutral zu bleiben. Seid dabei, morgen um 20:00 bei Radio Blau!

 

Morgen, 20:00 bei Radio Blau: Die Lewis-Chessmen

Wo warst Du am 4. Mai 2016 um 20:00 Uhr? Falls die Antwort NICHT lautet „vorm Radio“, gibt es morgen die Chance, Verlorenes nachzuholen, denn wir wiederholen unsere beliebte Sendung über die schottischen Schachmännchen! Seid dabei auf 99,2.

1831 gefundene Schachfigur aus Uig. Geklaut von Mike Peel über Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0